Innovation verläuft selten geradlinig. Unsere flexible Kraftsensormatrix ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit, unzähliger Konstruktionsiterationen und eines entscheidenden technischen Durchbruchs. Was als frühes Konzept zur Messung der Kraftverteilung begann, entwickelte sich schließlich zu einer miniaturisierten Sensorplattform für Robotergreifer und wird bis heute weiterentwickelt. Das ist die Geschichte hinter unserer Kraftsensormatrix.

Wo alles begann

Vor mehr als zwei Jahren begannen wir, die Idee zu prüfen, mehrere PNC-Kraftsensoren zu einer einzigen Sensormatrix zu kombinieren. Anstatt die Kraft an einem einzigen Punkt zu messen, wollten wir die gesamte Kontaktfläche erfassen. Eine Matrix würde es ermöglichen, die Kraftverteilung zu visualisieren, mehrere Kontaktpunkte gleichzeitig zu erkennen und völlig neue Sensorfunktionen für die Robotik, die Forschung und die Mensch-Maschine-Interaktion zu erschließen. Die ersten Konzepte sahen vielversprechend aus. Doch es gab eine große Herausforderung.

Das Crosstalk-Problem

Wie viele matrixbasierte Sensorsysteme litten auch unsere frühen Prototypen unter Übersprechen. Signale benachbarter Sensorelemente beeinflussten sich gegenseitig, was es schwierig machte, genau zu bestimmen, wo tatsächlich eine Kraft ausgeübt wurde. Für Anwendungen, die zuverlässige und wiederholbare Messungen erfordern, war dies einfach nicht gut genug. Anstatt eine Lösung auf den Markt zu bringen, die unseren Standards nicht entsprach, beschlossen wir, das Projekt vorübergehend auszusetzen und uns auf andere Entwicklungen zu konzentrieren, während wir das Problem weiter untersuchten. Manchmal besteht die größte Herausforderung in der Technik darin, zu erkennen, wann eine Technologie noch nicht ausgereift ist.


Der Durchbruch

Alles änderte sich, als wir im vergangenen Jahr eine Lösung zur aktiven Unterdrückung von Übersprechen fanden. Durch die Kombination unserer PNC-Materialien mit einer neu entwickelten Ausleseelektronik und unserer firmeneigenen Force Sensing Impedance (FSI)-Technologie gelang es uns schließlich, einzelne Sensorelemente voneinander zu isolieren und stabile, wiederholbare Messungen über die gesamte Matrix hinweg zu erzielen. Dieser Durchbruch verwandelte das Projekt von einem interessanten Konzept in eine praxistaugliche Sensorplattform. Für uns war dies der Moment, in dem die Matrix wirklich realisierbar wurde.

Vom Prototyp zum Force-Matrix-Bausatz

Sobald die ersten Matrix-Prototypen zuverlässige Ergebnisse lieferten, schritt die Entwicklung rasch voran. Wir entwickelten das, was heute unser Force Matrix Kit: ein komplettes Entwicklungskit, das flexible Kraftmessung mit fortschrittlicher Elektronik kombiniert, die eine aktive Unterdrückung von Übersprechen bietet.

Das aktuelle Set enthält:

  • Eine 6 × 6-Sensormatrix mit 36 Kraftsensoren (Unterstützung für Matrizen mit bis zu 100 Sensoren)
  • USB-C-Anschluss und Stromversorgung
  • Unterstützung für I2C-Kommunikation, Bluetooth-Konnektivität
  • Hochentwickelte Ausleseelektronik, optimiert für die Force-Sensing-Impedance-Technologie

Das Kit dient nicht als fertige Anwendung, sondern bietet Ingenieuren und Forschern eine Plattform zur Entwicklung und Bewertung matrixbasierter Konzepte zur Kraftmessung.


Erforschung neuer Matrix-Designs

Da uns nun eine zuverlässige Plattform zur Verfügung stand, begannen wir, mit neuen Layouts, Geometrien und Anwendungsmöglichkeiten zu experimentieren. Bei einigen Prototypen lag der Schwerpunkt auf der Optimierung der Sensoranordnung, während bei anderen verschiedene Matrixgrößen und Interaktionskonzepte untersucht wurden.

Ein besonders eindrucksvolles Demonstrationsmodell war unser kleines LED-Matrix-Demonstrationsmodell, das verdeutlichte, wie reaktionsschnell und interaktiv eine flexible Kraftsensormatrix sein kann. Obwohl diese Projekte als Technologiedemonstratoren konzipiert waren, halfen sie uns, die Interaktion mit den Nutzern besser zu verstehen, und inspirierten zukünftige Entwicklungen.

Kraftverteilung bei Robotergreifern

Als Robotikanwendungen immer mehr an Bedeutung gewannen, stellten wir uns eine neue Frage: Was wäre, wenn die Matrix so klein werden könnte, dass sie in einen Robotergreifer passt? Für unsere Zusammenarbeit mit Sarcomere Dynamicsentwickelten wir unsere erste miniaturisierte Greifermatrix mit 4 × 6 Sensorelementen, die jeweils einen Durchmesser von nur 4 mm hatten. Trotz ihrer kompakten Größe lieferte die Matrix detaillierte Informationen zur Kraftverteilung direkt an der Greifoberfläche.

Eine Demonstration, insbesondere zu Beginn der Entwicklung des Matrix-Greifers, hat uns überrascht. Durch die Analyse der Druckverteilung über die Matrix hinweg konnten wir die Position einer dünnen Nadel bestimmen, die zwischen den Greiferfingern unseres NanoSen-Greifer-Demonstrators platziert war.

#Von der Kraftverteilung zur Schlupferkennung

Der nächste Schritt bestand darin, die Matrix für das intelligente Greifen zu nutzen.

Durch die kontinuierliche Überwachung der Kraftverteilung über die Kontaktfläche hinweg kann der Robotergreifer erkennen, wann sich ein Objekt zu bewegen beginnt oder verrutscht. Anstatt sich ausschließlich auf die Gesamtgreifkraft zu verlassen, erkennt das System subtile Veränderungen im Kontaktmuster und reagiert, bevor das Objekt verloren geht.

Dadurch kann der Roboter seinen Griff automatisch in Echtzeit anpassen und nur bei Bedarf zusätzliche Kraft aufbringen. Das Ergebnis ist ein anpassungsfähigerer und zuverlässigerer Greifvorgang, mit dem Objekte unterschiedlicher Form und Oberflächenbeschaffenheit sicher gehandhabt werden können.

Diese Fähigkeit haben wir live auf der Hannover Messe demonstriert, wo die Besucher beobachten konnten, wie der Greifer dynamisch reagierte, sobald Objekte zu rutschen begannen. Anstatt eine konstante Greifkraft aufrechtzuerhalten, passte das System seinen Griff kontinuierlich an die gemessene Kraftverteilung an – und demonstrierte damit das Potenzial der matrixbasierten taktilen Sensorik für die Roboterhandhabung der nächsten Generation.


Ein Blick auf die humanoide Robotik

Flexible Kraftsensormatrizen gewinnen heute für hochentwickelte Roboterhände und humanoide Roboter zunehmend an Bedeutung. Natürlich haben diese Anwendungen auch in unserer Werkstatt Einzug gehalten. Wir erforschen kontinuierlich neue Matrixgeometrien, kleinere Sensorelemente und ausgefeiltere Integrationskonzepte, um die nächste Generation der Roboterhandhabung zu unterstützen. Die Reise, die mit einem einfachen Matrixkonzept begann, dauert noch an, und wir sind gespannt, wohin sie uns als Nächstes führen wird.

Rückblickend lässt sich sagen, dass die Entwicklung unserer Kraftsensormatrix nicht durch einen einzigen Durchbruch zustande kam. Sie entstand im Laufe von Jahren voller Experimente, Rückschläge, technischer Herausforderungen und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Von den ersten Konzepten über die Lösung des Übersprechproblems bis hin zu miniaturisierten Greifermatrizen mit Schlupferkennung – jeder Schritt hat uns der Realisierung intelligenterer, anpassungsfähigerer Robotersysteme einen Schritt nähergebracht. Und das ist erst der Anfang.


Sind Sie bereit, die Technologie zu entdecken?

Ganz gleich, ob Sie flexible Kraftmessung in Ihrem eigenen Labor testen oder Ihr nächstes Robotikprojekt vorantreiben möchten – das PNC Force Matrix Kit ist der ideale Einstieg.

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